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Online Reiseberichte|Kreta

Wolfgang
Festos, Montag 29. März 1999. Um elf Uhr fahre ich nach Festos. Hier gibt es eine der größten minoischen Siedlungen anzuschauen. Strategisch optimal auf einem kegelförmigen Berg gelegen hatten die minoischen Bewohner von Festos einen phantastischen Ausblick in die weite Ebene. Was würden uns die Minoer heute zu sagen haben? Wie haben sie gelebt und woran haben sie geglaubt? Die
Festos
Steine schweigen. Dabei sind die Archäologen fleißig dabei ihre Rätsel zu entschlüsseln. Sie ziehen Schlüsse aus Grundrissen und Gegenständen und fügen mit wissenschaftlicher Präzision die Puzzlestücke ihrer untergegangenen Kultur zusammen. Allein, was die Minoer wirklich dachten und fühlten bleibt uns verschlossen. Ich setze mich auf die große steinerne Treppe und versuche mir das Leben im zweiten Jahrtausend vor Christus auf Kreta vorzustellen. Wie war das wohl ohne Fernseher, Auto und Computer?

Festos
In Kamilari treffe ich den Papas, den orthodoxen Dorfpfarrer im Kafeneion. Schon seit zwanzig Jahren hat er immer wieder Besucher aus Deutschland in den einfachen Zimmern, die er im Dorf nebenbei vermietet. Er liebt dieses Dorf und sieht daher die Kehrseite der Medaille, die immer wieder junge Leute zum Wegziehen bewegt. Das Leben in Kamilari ist hart und bietet neben der mühseligen Arbeit in der Landwirtschaft nicht viele Alternativen. Was mir in seiner Ruhe und Abgeschidenheit als Paradies erscheint kann sich nach einigen Jahren als eintönig erweisen. Spätestens nach fünfzehn Jahren würden die meisten Aussteiger wieder umkehren. Warum vergleichen, was man nicht vergleichen kann. Ich beschließe, noch etwas die Vorzüge Kamilaris zu genießen und schaue mir das kleine Dorf auf dem Berg bei herrlichem Sonnenschein und sommerlichen Termperaturen genauer an.



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