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Online Reiseberichte | Kykladen
Serifos, Samstag 28. April 2001. Mein erster Morgen in Griechenland. Ich habe ein Quartier in Livadi, dem Hafen von Serifos gefunden. Nach dem Frühstück mache ich mich auf den Weg nach Chora, dem Hauptort der Insel.
Chora liegt wenige Kilometer von Livadi entfernt im Inselinneren. Schon von weitem sehe ich die weißen Häuser im Kykladenstil, die sich eng en einen Berggipfel schmiegen. In weiten Serpentinen schlängelt sich die Straße den Berghang hinauf. Für Fußgänger und Maultiere gibt es eine Treppe, die geradewegs nach oben führt. Auch jetzt im April ist es schon sehr warm. Mir rinnt der Schweiß. Im Ort stehen die Häuser dicht gedrängt. Dazwischen ist nur Platz für Fußwege und Treppen. Die kompakte Siedlungsstruktur sollte einst die Bewohner vor Angreifern und Piraten schützen. Im Ernstfall konnte man sich in eine Festung auf der Bergspitze zurückziehen, von dem heute nur noch vereinzelte Mauerreste zu sehen sind. An ihrer Stelle steht jetzt eine kleine Kapelle, von der aus ich
den herrlichen Panoramablick über die umliegenden Kykladeninseln genießen kann. Im Osten sehe ich Sifnos, südlich davon Antimilos und Milos, weiter nördlich erkenne ich im Dunst die Inseln Paros und Antiparos. Unten in Livadi kann ich die Einfahrt einer Fähre in den Hafen verfolgen.
Auf der anderen Seite von Chora steige ich den Berghang wieder hinab. Auch hier sind die Wege schmal und führen, immer wieder von Stufen unterbrochen, durch das Häuserlabyrinth. Ich komme an einem Kafeneion vorbei, das einen herrlichen Ausblick über das Meer bietet.
Der alte Besitzer ist früher selbst als Schiffskoch auf einem Kreuzfahrtschiff übers Meer gefahren und lobt die Schönheit der Hafenstadt Hamburg. Wir sprechen über das Fährunglück bei Naxos. Die Katastrophe kostete 2000 viele Menschen das Leben, weil der Kapitän ein Fußballspiel ansah und die Mannschaft mit den Rettungseinrichtungen nicht ausreichend vertraut war. Ich begreife, dass die Fähren für die Insulaner mehr sind als nur ein Transportmittel. Sie stellen oft gleichzeitig die einzige Verbindung zur Außenwelt dar. Umso mehr erregt der oft schlechte Zustand der Fähren die Gemüter. Die Sonne steht immer noch hoch, als ich meinen Spaziergang fortsetze. wenigstens einen kleinen Blick auf die andere Inselseite will ich noch werfen, bevor meine Reise morgen weitergeht.
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