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Online Reiseberichte | Thessaloniki
Hannes lebt als Reiseleiter und Deutschlehrer in Griechenland. In den Sommermonaten wohnt er auf der Halbinsel Sithonia und betreut dort die Urlauber aus Deutschland. In der restlichen Zeit unterrichtet er Deutsch an einer Privatschule in Thessalononiki. Nachdem er vor 20 Jahren zum ersten mal hierher kam, ließ ihn die Schönheit der Landschaft und die griechische Lebensart nicht mehr los. Vor 10 Jahren entschied sich Hannes, ganz im Süden zu bleiben. Lesen Sie hier seinen Bericht:
Ein Spaziergang durch Thessaloniki
Wenn ich so durch Thessaloniki schlendere, stelle ich immer wieder fest, dass die Millionenstadt eine Menge Grün zu bieten hat. Das Charakteristische an Thessaloniki ist die Hügellage. Das Zentrum der Stadt erstreckt sich von der Küste, in ganz Griechenland Paralia genannt, bis zur Oberstadt (Anopoli oder auch Kastra = Burg umschrieben). Für die gesamte Strecke benötige ich zu Fuß ganze 45 Minuten, für Fußkranke bietet sich der Bus 23 an, der vom Platz am Hafen (Platia Eleftherios) jede Viertelstunde abfährt. Die Fahrkarte kostet 100 Drachmen und kann am Kiosk oder an der Abfahrtsstelle
gegenüber am Automaten gekauft werden und ist dann im Bus zu entwerten. Doch ich möchte die Stadt lieber mit Muße erkunden. Das ehemalige Rotlicht- Viertel (Ladadika) gleich gegenüber, mit seinen nachts lärmenden Bars schläft noch. Es erwacht erst abends gegen 23 Uhr. An der Ecke der Paralia bei Sosoni verleibe ich mir eine der köstlichen 50 Eissorten ein und schaue mir dabei die zahlreichen, schönen Griechinnen und Griechen an, die hier tagaus und nachtein flanieren. Ich laufe den riesigen Aristoteles- Platz aufwärts und schon empfängt mich die zweite Querstraße (Tsimiski) mit tosendem Autoverkehr und ihren noblen Einkaufsläden. Mir ist allerdings mehr nach Rustikalerem. Also biege ich weiter oben in die nächste Querstraße (Iraklion) links ein, wo mich die abenteuerlichsten Händler des wahrhaft orientalischen Marktes zu verführen suchen. Der Markt erstreckt sich von hier über mehrere Straßen und Hallen. Wer hier nichts Brauchbares zu kaufen findet, findet´s nimmermehr. Aber mich treibt es weiter aufwärts. Es geht im Zentrum sowieso nur auf- oder abwärts. Dementsprechend aufklärerisch fallen denn auch die Antworten eines Griechen aus, fragt man ihn nach dem Weg: pano (oben) oder kato (unten).
Nachdem ich mich durch den Markt gewühlt habe, stehe ich oben, also pano, an der lebhaftesten Straße (Egnatia), die sich durch die gesamte Stadt zieht und wo der Kauflustige so manche Schnäppchen erwerben kann. Hier sind wirklich die Ampelübergänge zu empfehlen, obwohl sie so mancher Einheimische des Öfteren verschmäht. Ich wende mich nach links (Westen), bis ich die Venizelou Straße erreiche, in die ich dann rechts nach oben - wohin sonst? - einbiege. Dort entdecke ich alsbald an der dritten Querstraße an der linken Ecke ein noch malerisches Kafenion (Café), wo ich erstmal Pause bei einem griechischen Kaffee und einem Tsipouro (selbst gebrannter Uozo) einlege. Billiger als hier erhält man diese Kostbarkeiten nirgendwo in der Stadt. Seit wenigen Jahren nun haben andere Cafébetreiber dieses Rezept auch erkannt und in der nächsten Querstraße (Olympou) rechts gleich drei nebeneinander liegende Kneipen eröffnet, in denen deshalb ab 22 Uhr kein Sitzplatz mehr zu ergattern ist. Macht nichts, denn
zwischen den Lokalen führt ein versteckter Weg in einen Innenhof, wo tagsüber Flohmarktatmosphäre und abends seit kurzem zahlreiche süße kleine Restaurants und Bars ihr Unwesen treiben. Ich stärke mich hier noch einmal. Das ist nötig, denn jetzt beginnt der eigentliche Aufstieg in die Altstadt und da wollten ich doch hin, oder? Dazu bewege ich mich immer entlang der Venizelou nach oben, überquere nacheinander die Dimitriou, die Kassandrou und die Olympiada- Straße und biege zwischen alten, verwitterten Häuschen rechts ab und traue meinen Augen nicht: Das alte türkische Viertel (Zinari) hat sich inmitten von Halb- und Vollruinen zu einer idyllischen Kneipenregion entwickelt. Ich will aber unbedingt in das Schönste aller Lokale dieser Stadt. Dazu biege ich noch zweimal kurz rechts um die Ecke und stehe vor dem Kipos (Garten) und anschließend schon in der Küche, die ich erstmal durchqueren muss, um meine Freunde, die Besitzer Anna und Sakis, mitsamt ihrer frechen, kleinen Tochter Konstantina, begrüßen zu können. Dieses riesige Lokal mit seinen Bäumen, Sträuchern, Kaminen und Katzen muss und kann ich nicht, jedenfalls nicht ausreichend beschreiben. Sie sollen selbst Platz nehmen, staunen, bewundern! Vergessen Sie nicht zu essen: Es gibt wahrhaft Lukullisches hier. Dazu Wein oder Tsipouro, was ich persönlich nur apo wareli (vom Fass) bestelle - und auch trinke: Jammas!
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