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Zypern - Reisebericht Februar 1999

Auf Zypern beginnt der Frühling schon im Februar. In der Sonne wird es jetzt etwa 17 bis 20 Grad warm. Damit bietet die Insel das ideale Klima, um für eine Weile der winterlichen Heimat den Rücken zu kehren.

Gleich nach meiner Ankunft in Larnaca schaue ich mir das türkische Viertel mit seinen alten türkischen Straßenschildern an. Hier befindet sich das
Kueste
Hafenkastell aus dem 17. Jahrhundert und gleich gegenüber die Djami Kebir Moschee. Vom Kastell aus begrüßten einst die Türken die vorbeifahrenden Schiffe mit Kanonenschüssen. Später verwandelten die Briten diese Festung in ein Gefängnis. Die Moschee, die aus dem 19. Jahrhundert stammt und an der Stelle einer lateinischen Kirche gebaut wurde, wird gerade renoviert. Ich kann sie aber dennoch besichtigen und muß mir dazu am Eingang die Schuhe ausziehen. Es ist eine eigenartige Atmosphäre, ich fühle mich in der Zeit zurückversetzt. Heute kommen fast nur Touristen und vorbeifahrende Araber hierher .

Von der Moschee aus laufe ich über die moderne Promenade von Larnaca zum "Art-Cafe 1900", das ich noch von einer früheren Reise her kenne. Dieses außergewöhnlich stilvoll eingerichtete Haus befindet sich in der Stassinou Straße 6, nur wenige Meter von der Fremdenverkehrszentrale entfernt. Überall an den Wänden befinden sich schöne, nostalgische Bilder von Schauspielerinnen und Schauspielern aus den 20er und 30er Jahren. Aus den Lautsprechern ertönen dezent die Jazzstandards dieser Jahrzehnte. Ich fühle mich in den kleinen Räumen eher wie in einem privaten, stilvoll eingerichteten Haus, als in einem Restaurant. Alle Gerichte, Kreationen des Hauses, kosten immer noch 3,50 Pfund, was etwa 6,- Euro entspricht. Darf es zum Beispiel "Hühnchen in Bier" sein? Meine Erkältung versuche ich dabei mit einem herrlichem, zypriotischen Bergtee in den Griff zu bekommen.

Auf dem Weg in die Wohnung laufe ich an der Lazaruskirche vorbei. Sie ist ein Muß für den Larnacabesucher. Diese byzantinische Kirche stammt aus dem 10. Jahrhundert.In der Krypta liegt noch der leere Sarkophag des heiligen Lazarus. Er wurde im Jahr 890 entdeckt und nach Kostantinopel transportiert. Die Kreuzfahrer sollen bei ihrer Eroberung Kostantinopels im Jahre 1204 die kostbaren Reliquien geraubt und nach Marseille gebracht haben.

Chala Sultan Tekke
Am nächsten Morgen fahre ich mit meinem Mietwagen weiter in Richtung Kalavassos und Tochni. Gleich bei der Chala Sultan Tekke Moschee, nur 3 Kilometer außerhalb von Larnaka und direkt am Salzsee, lege ich meine erste Pause ein. Der Name der Moschee verweist auf die Pflegemutter Mohameds. Diese war bei der arabischen Eroberung der Insel im Jahr 647 dabei und soll hier beim Fall von ihrem Esel tödlich verunglückt sein. Nach Kaaba in Mekka und dem Grab Mohameds in Medina ist diese Unglücksstelle das drittwichtigste islamische Heiligtum. Die Moschee wurde 1816 dazugebaut. Sie liegt in einer Gartenanlage mit alten Palmenbäumen an einem sehr ruhigen, besinnlichen Ort. Hier ist es auch im Sommer schön kühl, sagt mir mein einheimischer Führer. Jetzt im Winter allerdings hat er trotz seines dicken Schals eine Erkältung und seine Ausführungen zur Geschichte des Bauwerks fallen etwas heiser aus. Der Putz der Kuppel sieht von innen schon sehr zerfallen aus. Mein Führer versichert aber, daß sie öfters geputzt und gestrichen wird, daß aber durch die Feuchtigkeit immer wieder Schäden entstehen. Man will nun die Kuppel in ihrer ursprünglichen Form, ohne Putz und Farbe restaurieren.

Auf dem Salzsee bei der Moschee sehe ich hunderte rosafarbene Flamingos, die sich bald auf den Weg in ihre Sommerquartiere am kaspischen Meer machen werden.

Ich fahre weiter zum Dorf Kiti, das an der Stelle des antiken Kition liegt. Im Kafeneion direkt an der Kreuzung zum Touristengebiet gibt es den besten griechischen Kaffee zum günstigsten Preis. An den Wänden grüßen Marx und Lenin von alten Plakaten. Der Wirt weist mich auf ein großes Photo seines türkischen Freundes und Genossen hin, der von griechischen Nationalisten 1974, bei der Machtübernahme der Samson-Junta umgebracht worden war. Wie viele Zyprioten hat auch er mit der jüngsten Geschichte seiner Insel noch nicht abgeschlossen und erinnert sich gern an das Zusammenleben mit den türkischen Dorfbewohnern. Die griechische Junta hat dieses Zusammenleben zerstört, eine Meinung, die ich von vielen älteren Zyprioten höre.

Kalavassos
In Kalavassos angekommen, werde ich gleich von Andreas, dem Verwalter von Cyprus Villages, begrüßt. Er zeigt mir mein Quartier für die Nacht in einem der wiederhergerichteten ruhigen Häuser des Dorfes. Abends besuche ich eine der beiden Tavernen. ich wähle eines der täglich angebotenen Gerichte, frischen Fisch gegrillt mit Pommes und Spaghettis. Hier geht es sehr persönlich und gemütlich zu. Empfehlenswert ist der Rotwein der Marke "Hermes". Der gutgelaunte Wirt betreut jeden Gast freundlich und zum Schluß gibt er noch einen einheimischen Kognak und Apfelsinen aus. Ich bin erstaunt, wieviel Kognak meine Landsleute vertragen können. Ein Alter mit Katergesicht grinst seelig in die Runde und auch die vier Zyprioten am anderen Tisch sprechen dem Alkohol zu. Die Musik ist aus Österreich importiert. Es handelt sich um ein Endlosband mit zwei Liedern; aber kein Mensch stört sich daran. Nach einiger Zeit bin ich bereit, mitzujodeln. Wie schön es ist, unter dem Sternenhimmel die paar Schritte zurück zum Haus zu laufen und morgens vom Krähen des Hahnes geweckt zu werden!

Chala Sultan Tekke
Wer sich für Hotelurlaub mit Frühstück oder Halbpension interessiert, kann sich auf das kleine Hotel im traditionellen Stil freuen, das in Tochni, nur wenige Kilometer von Kalavassos entfernt, noch in diesem Jahr öffnen wird. Sofronis, Mein Partner vor Ort und Leiter von "Cyprus Villages" ist bereits begeistert dabei, Werke lokaler Künstler für die Ausstattung der Räume zusammenzutragen. Er steckt voller Ideen für die weitere Verbesserung der Wohnqualität.

Kourion Beach
Entlang der Küstenstraße führt mich mein Weg weiter nach Episkopi, zu den berühmten Ausgrabungen von Kourion und zum Kourion Beach, wo bereits jetzt, trotz teilweise frischer Brise, hartgesottene britische Urlauber in Badekluft sonnen. Auch Nikokleia in der Nähe des historischen Alt-Paphos gehört zu meinen Ausflugszielen. Circa 17 km östlich von Paphos bietet sich hier im traditionellen Gasthof "Vassilis Nikolklis Inn" die Möglichkeit, einen ländlichen Urlaub zu verbringen. Ich mache eine Wanderung durch die blühenden Zitronen- und Apfelsinenhaine zum nahegelegenen Dorf Kouklia, wo die Ruinen des Aphrodite-Tempels zu besichtigen sind. Das Gebiet ist mindestens seit der Bronzezeit besiedelt. Die Römer hinterließen das berühmte Mosaik von Leda und dem Schwan.

Was Paphos betrifft, verzweifeln Sie nicht, wenn Sie anfangs auf der Suche nach einer Taverne nur Fish and Chips - Schilder sehen. Es gibt durchaus einige empfehlenswerte Restaurants. Im oberen Teil von Paphos gibt es die Taverna "Scorpios", wo man ausgezeichnete Mezedes genießen kann, montags sogar mit griechischer Life-Musik und Tanz. Nicht nur die zwei Wirte tanzen. Nach ein Paar Gläschen Wein kommen auch die deutschen Gäste in Fahrt und auch ich werde mitgerissen und in Richtung Straße mitgezogen, wo sich die torkelnde Gemeinschaft für einige Minuten aufhält. Die Mezedes kommen fast ununterbrochen und sie schmecken lecker. Bei einem Preis von 6 Pfund (circa 11,- Euro) pro Person inklusive Hauswein kann man sich nicht beschweren. Im unteren Teil von Paphos, auf den Straßenschildern auch als "Touristic Area" bezeichnet, empfehle ich das "Bamboo-Restaurant" von Andreas, dem Rückkehrer aus London. Lassen Sie sich nicht von seinem, anfangs etwas unfreundlichen Gesicht vertreiben und bestellen Sie nicht gleich das, was auf Tafeln mit Kreide angepriesen wird. Fragen Sie unbedingt nach dem Tagesmenue und dem Hauswein! Lassen Sie sich das Weissbohnen-Gericht aus dem Offen servieren oder bestellen Sie Kleftiko, ein herrliches Lammfleischgericht aus dem Ofen. Hauswein gibt es auch hier. Vielleicht treffen Sie hier auch einen rundlichen Herrn im mittleren Alter mit Pferdeschwanz. Er ist Festlandsgrieche und nach 25 Jahren in Deutschland will er auf Zypern Fuß fassen. Er verkauft eigene Karikaturen an der alten Hafenpromenade mit dem alten Pelikan. Wenn Sie ihn sehen, grüßen Sie ihn von mir und sagen Sie ihm daß ich ihn beneide.

Dies ist mein letzter Abend auf Zypern. Es kommt ein zunehmend heftigerer Sturm auf, der mir der Abschied von dieser Frühlingsinsel ein ganz klein wenig leichter fallen läßt. Adio Zypern!

Viel Spaß auf meinen Internet Seiten und einen erholsamen Urlaub wünscht Ihnen Ihr,

Dr. Apostolos Papassilekas

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