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Online Reiseberichte|Zypern

Wolfgang
Argaka, Dienstag 1. September 1998. Ich wache am Meer auf. Die Brandung rauscht stetig vor sich hin. Meine Ferienwohnung liegt direkt an einem einsamen Sandstrand. Bis auf die wenigen Autos, die die kleine Küstenstraße befahren, ist hier kaum Betrieb. Daß es in Argaka so still ist, hat einen traurigen Grund.
Kartenasschnitt
Die Straße von Argaka führt nirgendwohin. Sie führt zu der Grenze, die Zypern seit der türkischen Invasion in zwei Teile teilt. Ich möchte mir ein Bild von dieser Gegend machen und beschließe, die Straße bis zum äußersten Punkt abzufahren. Gleich hinter Argaka wird die Küste felsiger. Kleine Buchten wechseln sich nun mit steilen Klippen ab. Kurz vor Kokkino verläßt die Straße die
Pomos
Küste und führt ins Landesinnere. In steilen Serpentinen windet sie sich die Berge hoch. Überall sind hier Militärstützpunkte und UN Beobachterposten. Auf der Karte ist Kókkina als türkisch besetzte Enklave eingezeichnet. Erst hinter Kókkina folgt die Straße wieder dem Küstenverlauf. Gleich nach Kato Pyrgos ist dann aber endgültig Schluß. Hier endet die Straße am militärischen Sperrgebiet. Früher führte die Straße weiter bis Nicosia. Heute ist ein weiter Umweg nötig, um nach Nicosia zu kommen.

Ich frage die Jugendlichen im Café, wer in Kókkina wohnt, das für die türkische Armee nur von See her zugänglich. Als Enklave ist es sicher nur mit großem Einsatz zu halten ist. Sie vermuten, daß dort außer Soldaten niemand mehr ist. Eine verrückte Welt ist das! Ich fahre die Straße von Argaka wieder zurück. Wieder komme ich an Kokkino vorbei und fahre an den Militärstützpunkten und UN Kontrollpunkten entlang. Nur einmal sehe ich, mit einer roten Fahne gekennzeichnet, in der Ferne einen türkischen Posten.

Argaka
Jetzt habe ich Lust auf einen schönen Strand, zum Baden und einfach in der Sonne zu liegen. Ich wähle den weiten Sandstrand von Argaka. Die Brandung ist hier stärker als im Süden der Insel. Schnell wird das Wasser tief. Wie herrlich das ist, in die Wellen zu springen! Die Sonne senkt sich und färbt den Himmel rot. Ich kehre heim und schwimme noch eine
Argaka
Runde im Pool. Es dämmert. Als ich aus dem Wasser steige, kommt eine hübsche, junge Frau auf mich zu. Sie fragt mich , ob es stimmt, daß ich aus Deutschland bin. Sie selbst kommt aus Rußland und glaubt, daß alle Deutschen gute Sportler sein müssen. Vor allem aber gute Schwimmer. Sie fragt mich, ob ich selber viel Sport treibe. Meine Darbietungim Pool kann wirklich nicht allzu beeindruckend gewesen sein. Ich erkundige mich deshalb bei ihr, warum sie der Meinung ist, daß alle meine Landsleute so sportlich seien. Es sind die vielen Olympiasiege und Medaillen bei sportlichen Wettkämpfen für Deutschland, die bei ihr das Bild erzeugt haben, daß sich bei uns alle im kollektiven Sportrausch befinden müssen. Eine merkwürdige Vorstellung!



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