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Online Reiseberichte|Zypern

Wolfgang
Kalavassos, Montag 31. August 1998. Heute möchte ich bis nach Polis im Nordwesten der Insel fahren. Zunächst aber muß ich noch nach Larnaca um ein paar Kleinigkeiten zu besorgen. Im Kafeneion von Kalavassos verabschiede ich mich von Andreas und den Briten.
Lokomotive
Ich habe mein neues "Kalavassos" T-Shirt an, apfelgrün mit einer kleinen Lokomotive als Aufdruck. Die Dampflok gibt es hier tatsächlich noch, wenngleich auf Zypern schon lange keine Eisenbahnen mehr fahren. Ich hatte sie gestern bei meinem Ausflug nach Tochni am Dorfrand entdeckt. Sie steht dort zusammen mit drei Waggons als Denkmal auf einer Brücke. Tochni war einst ein Bergbauort und die Schmalspurbahn diente dazu Eisen- und Kupfererz aus dem Bergwerk zu transportieren.

Jorgos
Gegen Mittag habe ich meine Einkäufe in Larnaca soweit erledigt, daß ich ein wenig Siesta machen kann. Ich gehe gerade die Promenade am Meer entlang als mich plötzlich jemand freundlich grüßt. Es ist Jorgos, der Barkeeper aus dem Internet-Café, der hier zusammen mit einigen Freunden in einer Strandbar einen Kaffee trinkt. Gleich werde ich eingeladen mitzutrinken. Jorgos scheint hier wirklich jeden zu kennen. Laufend kommen Bekannte vorbei oder winken aus offenen Autos. Der Wirt tritt an den Tisch und fragt mich, woher in Deutschland ich komme. Als ich ihm erzähle, daß ich aus Hamburg bin, erinnert er sich an eine alte Geschichte.

Die Begebenheit hat mit Hamburg zwar nachweislich nichts zu tun, außer daß der Ort um den es am Rande geht, ganz ähnlich klingt. Und das auch nur für zypriotische Ohren. Vor ein paar Jahren kam ein Deutscher, der auf großem Fuß lebte, regelmäßig in die kleine Strandbar. Er stellte seinen Mercedes 500 draußen ab, denn damals waren die Autos von der Promenade noch nicht verbannt worden. Im Café war er sehr spendabel. Ständig hatte er viele Leute um sich und lud freizügig jeden ein, mitzutrinken. Bis ihm das Geld ausging. Zunächst bat er den Wirt nur anschreiben zu dürfen. Später wollte er sich auch noch 50 Pfund von ihm leihen. Der gutgläubige Wirt gab ihm das Geld und sah den Mann, der aus Bad Homburg stammte, nie mehr wieder. Gleich darauf kam die Polizei in das Café und erkundigte sich nach dem Mann. Er wurde per Haftbefehl gesucht.

Nachdem mich Jorgos noch mit den neusten Ergebnissen der ersten und zweiten Bundesliga versorgt hat, Kaiserslautern schlägt Fortuna Köln,
Kueste
verabschiedet er sich und geht sich etwas ausruhen. Es wird Zeit, loszufahren, denn ich will nicht zu spät in Polis ankommen. Auf der Küstenautobahn geht es nach Westen. Vorbei an Tochni, Kalavassos, Limassol und Episkopi. Zehn Kilometer vor Pafos hört die Autobahn auf. Im Abendlicht fahre ich auf einer kurvenreichen Küstenstraße. Die Küste ist hier steil und felsig. In kurzen Abständen folgen jetzt Aussichtspunkte, die den Blick auf kleine Buchten und felsige Klippen freigeben. Hinter Pafos windet sich die Straße dann durch die Berge. Hinter dem Paß sehe ich im letzten Tageslicht einen weiten Küstenstreifen. Ich erreiche Polis.



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